Unser seltenes Cabriolet

Fa. Peter Ebeling Inh. Carola Ebeling - Geschrieben am 13.08.2019

Vielleicht habt Ihr schon unseren Facebook-Auftritt besucht und die Fotos vom Reiseantritt unseres roten Cabrios gesehen.Nun fragt Ihr Euch: Was ist das? Ein Hebmüller ist es nicht, auch spätere Hersteller von Sonderaufbauten wie Ostermann fallen völlig weg. 

Wir möchten daher in diesem Blog über das Cabrio erzählen.

Es war im Jahr 1973 als der Peter in West-Berlin ein zweisitziges Cabriolet angeboten bekam. Es  war in einem erbärmlichen Zustand. Die Bodenbleche bestanden nur aus Rost und Flicken, ebenso verhielt es sich mit den Heizkanälen( Schwellern). Der oder die Vorbesitzer (es waren 6) hatten alles verarbeitet, was die Bastlerläden hergaben, Popnieten, Polyesterspachtel, Glasfasermatten  - sie hatten nichts ausgelassen! Ein Bild des Jammers.  

Peter hat das Fahrzeug dann doch erworben, da es dem Hebmüller ähnlich war.

Nach dem er durch den Vorbesitzer auch an die spärlichen Unterlagen geraten ist, stellte sich heraus, dass dieses Fahrzeug einen Aufbau von der Karosseriebau-Firma Baur aus Stuttgart erhalten hat. Dieser Aufbau erfolgte auf Initiative des VW Grosshändlers Hahn in Stuttgart auf Basis einer fabrikneuen Limousine (Januar 1954 eines der ersten mit dem neuen 30 PS Motor) . Die Zulassung erfolgte im Juli 1954 auf die Fa. Hahn. Amtlich ist nur ,daß es nur bei diesem einen Modell blieb, welches so gebaut wurde. Die Idee, eine kleine Serie aufzulegen, scheiterte an den hohen Kosten und wahrscheinlich am VW-Werk, welches keine Einzelteile liefern wollte. Außerdem stand der Karmann Ghia bereits in den Startlöchern und vermutlich hatte VW auch deshalb kein Interesse  mehr an einem zweisitzigen Cabrio.

Leider existiert von dem Fahrzeug kein einziges Foto aus der Zeit, als Peter es erwarb.

Peter hat nach Erwerb das Fahrzeug komplett zerlegt und konnte dann das Chaos überblicken: Vorderachse krumm, Rahmenkopfverzogen (alles Folge eines Unfalls), Bodenbleche zig-mal geflickt, die Schweller zusammengestückelt und mit der Karosserie verschweißt. Ein Zustand, der eine jahrelange Restauration verhieß. Daß daraus nun Jahrzehnte wurden, konnte damals keiner ahnen.

Als erstes wurde die Trennscheibe aktiviert und Karosse und Fahrgestell von einander getrennt. Von der Bodengruppe wurde nur das Getriebe und der Motor aufeghoben, der Rest ging in den Schrott.

Durch Zufall konnte Peter kurz vorher eine fabrikneue Bodenplatte von einem VW-Händler bekommen. Eine Vorderachse war ebenfalls vorhanden. Das Getriebe hat ein Bekannter und den Motor hat Ernst-Peter Hagen aus Liebenau überholt. 

Eine absolute Herausforderung jedoch war die Karosse. Kein Mensch wollte die Reparatur trotz neuer Heizkanäle und sämtlicher anderer Blechteile übernehmen, da die Karosse nach dem Trennen von der Bodengruppe in zwei Teile zerbrochen ist.  Viele Jahre lag das Projekt deswegen auf Eis, es gab niemanden,  der sich den Aufbau dieser Fragmente zutraute. Nach langer Zeit - wir waren schon bereits aus der Thomasstrasse in die Wilhelminenhofstrasse umgezogen - da lernte Peter jemanden kennen, der sich die Aufgabe zutraute, daraus wieder ein Auto zu machen. Gemeinsam fingen wir den Aufbau auf einem alten Chassis an. Mit kleinen Holzteilen wurden die fehlenden Teile der Schweller unterbaut und dann wurden die Türen montiert,  um vernünftige Spaltmasse zu erreichen. Nachdem das zufriedenerweise erreicht war, wurden die Türen mit den hinteren Seitenwänden provisorisch verschweisst.  Das heisst, es wurde pro Seite ein großer Blechflicken aufgesetzt. Anschliessend wurde die Karosse auf den Kopf gelegt und die restlichen Schwellerteile sowie andere Rostteile entfernt.

Jetzt konnte der Aufbau mittels neuer Karosserieteile beginnen..Zum Einsatz kamen komplette Karosserie-

Endspitzen vorn und hinten, Front-und Heckschürzen und auch die Türen mussten unten neu angesetzt werden, die vorderen Kotflügel waren zuretten, während die hinteren leider durch Neuteile (Repros) ersetzt werden mußten.

Nachdem die Karosse wieder mit der Bodengruppe zusammengeschraubt war (unter Zuhilfenahme neuer Gummidichtungen), ging es zum Lackierer, der eine tgute Arbeit abgeliefert hat, auch der Sattler hat zu meiner vollen Zufriedenheit gearbeitet. Nur hat dies alles extrem lange gedauert, da unser Fahrzeug immer "so nebenbei nach Feierabend" bearbeitet wurde. Richtig Geld verdient wurde halt mit den modernen Unfallfahrzeugen.

Nachdem das Fahrzeug wieder bei uns gelandet ist, wollte Peter sich nun an den Zusammenbau machen. Doch seine Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Und so stand das Fahrzeug weitere Jahre unfertig herum und zog 2018 dann mit uns ein weiteres Mal um.

Vorscha

Mittlerweile boten einige an, uns das Fahrzeug fertig zu machen. Unter anderem auch ein Käferfreund aus Wolfsburg. Peter aber wollte es lieber selber aufbauen und gab die Hoffnung auf Besserung seiner starken Rückenschmerzen nicht auf

Vorschau.

Im Dezember 2018 fuhr Peter leider mit einem anderen roten Auto, und zwar mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Er hatte sich eine schwere Blutvergiftung eingefangen, wochenlang hing sein Leben am seidenen Faden. Erst nach einigen Monaten war er wieder soweit hergestellt, daß wir auch wieder an unser Cabrio denken konnten. Uns wurde zudem klar, daß unsere Zeit, die Fertigstellung des Fahrzeuges noch zu erleben, nicht unendlich ist.

Und nun kam der Wolfsburger Käferfreund und der Käferclub Wolfsburg (www.kaeferclub-wolfsburg.de) ins Spiel. Wir funkten ihn an, er antwortete sofort und letztes Wochenende ging für den Roten die Reise nach Wolfsburg los. 


Vorschau

Wir sind überzeugt, dass er dort in die richtigen Hände geraten ist und unser Traum, dieses Fahrzeug fertig zu sehen und mit ihm zu fahren, Wirklichkeit wird.